Die einen lieben es…

…und freuen sich regelrecht einen Keks, andere wiederum ärgern sich, und den Letzten ist es so was von egal. Die Rede ist von der Fußball Weltmeisterschaft in Afrika, die heute um 13 Uhr Ortszeit den Startschuss vom Stapel lies. In den kommenden 30 Tagen wird es nun in allen Nachrichten – sei es das Fernsehen, die Zeitung oder das Online-Nachrichtenmagazin – nur so von Berichten rund um die Spieltage wimmeln.

In dieser Zeit wird mit ziemlicher Sicherheit auch ein so großes Thema wie die von BP verschuldete Öl-Krise nebensächlich behandelt, denn man hat immerhin ein rundes Leder, 22 Spieler, 64 Begegnungen und weltweit etliche Millionen Menschen die sich plötzlich alle ganz doll lieb haben und gemeinsam feiern, oder bei jedem Gegentor schlimmer weinen als die Spieler auf dem Platz.

Couchpotatoes ganz groß

Es hat sich aus den ersten beiden Absätzen vermutlich schon heraus lesen lassen: Ich bin kein Freund von Fußball im allgemeinen, und wie sich die Welt bei solchen Ereignissen aufführt, werde ich selbst auch nie verstehen können. Massenhysterien, Emotionen wegen Taten gänzlich Unbekannter in einem Bereich der einen selbst nie im eigenen Leben betreffen wird, und am besten noch etliche blau gemachte Arbeitsstunden und hunderte Euros ins Merchandising um nur ja am extra dafür angemieteten HD-Fernseher keine Spielminute zu verpassen. Für mich waren Fußball-Weltmeisterschaften schon immer ein Zeitraum in dem etliche Leute scheinbar kein normales Leben mehr führen können.

Selbst der unsportlichste Kerl kann sich plötzlich einen Fan-Schal umwerfen, jubelnd mit seinen Freunden in der Kneipe oder dem eigenen Wohnzimmer Chorgesänge um die Wette jubeln, und sich genau 30 Tage lang für Sport interessieren. Freilich nur für den auf dem Fernseher, denn jemals selbst einen Ball mit dem Sohnemann durch die Gegend kicken? Das gab es vielleicht zuletzt als er vier war und Geburtstag feierte. Seither liegt der Ball in der Ecke und der Sohn macht gerade Lehre. Aber das soll doch nicht daran hindern zu wissen dass diesen Elfmeter jeder Vollpfosten versenken kann, der Verteidiger eine unfähige Flasche ist und man selbst das tausend Mal besser könne, und vom Schiri diesem schwarzen Schaf braucht man gar nicht erst zu reden.

Arbeit? Nein wir haben Ramad… äh WM

Ich finde es auch erstaunlich wie viele Leute in diesem Zeitraum Urlaub beantragt haben. Allein in meinem unmittelbaren Bekanntenkreis hat gefühlt die Hälfte versucht oder gar erfolgreich Urlaubstage durch gebracht, um an den wichtigen Deutschen Spieltagen auch ja Nachmittags vor der Glotze sitzen zu können.

Wie die Arbeitmoral bei den übrigen ist, hab ich mir auch schon verklickern lassen. Wie schon bei der letzten WM wird das Radio im Büro wohl der Dreh und Angelpunkt in einigen Firmen und Einrichtungen sein. Wenn das Telefon in einem “ungünstigen” Zeitpunkt stört, oder die dringende Email mit dicker Schrift auf sich aufmerksam macht, wird so lange halt tot gestellt. Man möchte schließlich keinen Augenblick der Übertragung verpassen.

Es ist Sommer

Ein gutes hat die ganze Sache ja, für diejenigen die sich um das Thema Weltmeisterschaft nicht kümmern. Wir haben es in den besagten Zeiträumen sehr viel angenehmer. Zwar mag in der Stadt sich an jeder Ecke ein Haus finden aus dem Geschrei und Jubel dringt, dafür dürften tagsüber die Geschäfte sehr viel freier sein, und wichtige Anrufe wird es wohl auch nur vormittags und während der Halbzeit geben. Ich für meinen Teil werde mich mit einem Eis im Garten auf die Sitzbank setzen und das wunderbare Wetter genießen.

Und selbst wenn mich Fußball nicht die Bohne interessiert, meine Nachbarn werden unweigerlich dafür sorgen dass ich weiß wie viel es gerade steht.